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Schuldnerberatung warnt vor Reformplänen, die ein unfaires Zwei-Klassen-Recht anstreben

Die Zahlen sind spektakulär: Das Statistische Bundesamt verzeichnet für das erste Halbjahr 2006 eine Steigerung der Verbraucherinsolvenzen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um nicht weniger als 41,5 %. Hatten in den ersten 6 Monaten des Jahres 2005 30.937 Verbraucher Insolvenz beantragt, lag die Zahl nun bei 43.761 Fällen.

Neben dem hohen und ständig wachsenden Umfang der Überschuldung belegen diese Zahlen aber vor allem auch, dass das Privatinsolvenzverfahren endlich weitgehend reibungslos funktioniert. Insbesondere nachdem sich der Gesetzgeber dazu entschlossen hatte, die Kosten des Verfahrens den Betroffenen zu stunden, zeigte sich auch für die am härtesten betroffenen Personenkreise nunmehr Licht am Ende des Schuldentunnels.

Vor diesem Hintergrund ist es erschreckend und unverständlich, dass die Justizministerien der Länder und des Bundes gerade die bewährte Verfahrenskostenstundung nun abschaffen wollen. Allen vollkommen mittellosen Schuldnern wäre damit das Verbraucherinsolvenzverfahren verschlossen. Ihnen bliebe nur ein neu zu schaffendes Verjährungsverfahren. Dieses soll nicht nur volle 8 Jahre dauern, sondern sieht zudem während dieser Zeit auch keinen wirksamen Vollstreckungsschutz für die Verschuldeten vor – ein neuer Start kann so nicht gelingen!

Gerade Alleinerziehende und Familien mit Kindern würden von der Reform besonders hart getroffen: Wie Zahlen der Landesarbeitsgemeinschaft Schuldner- und Insolvenzberatung belegen, wären gerade sie am wenigsten in der Lage, die Verfahrenskosten vorab zu zahlen, um auch zukünftig in das bewährte Verbraucherinsolvenzverfahren zu kommen.

Die Landesarbeitsgemeinschaft Schuldner- und Insolvenzberatung lehnt daher die geplante Reform entschieden ab und begrüßt die Unterstützung in dieser Frage durch die Senatorin für Gesundheit, Soziales und Verbraucherschutz.

Die Landesarbeitsgemeinschaft fordert eine Reform des geltenden Rechts mit Augenmaß anstelle der Einführung eines Zwei-Klassen-Rechts.

Dass das Verbraucherinsolvenzverfahren - trotz Verbesserungsmöglichkeiten im Detail - funktioniert, belegen auch die Ergebnisse der Klientenbefragung "Das Verbraucherinsolvenzverfahren - eine Zwischenbilanz aus Schuldnersicht". Sie können den Bericht über die Ergebnisse der Befragung hier herunterladen....

 

 

 

 

Junge Menschen sind online - unsere Beratung auch!

Am 9. Dezember 2005 gaben die Senatorin für Gesundheit, Soziales und Verbraucherschutz, Dr. Heidi Knake-Werner, und die Vorsitzende der Jugend- und Familienstiftung des Landes Berlin, Petra Merkel, den Startschuss für das Projekt Online-Beratung.

Die neue Beratungsmöglichkeit wendet sich vor allem an diejenigen Betroffenen, die (noch) keinen Kontakt zu einer Schuldnerberatungsstelle hatten. Gerade Jugendliche können so besonders unkompliziert und anonym Antworten auf ihre Fragen im Umgang mit den Finanzen bekommen – rechtzeitig bevor die Schuldenfalle zuschnappt. Auch für Behinderte und Menschen, die aus anderen Gründen nur sehr schwer während der Öffnungszeiten eine Beratungsstelle aufsuchen können, ist die Online-Beratung sehr attraktiv.

Das Projekt Online-Beratung wird gefördert von der Jugend- und Familienstiftung des Landes Berlin.

Hier geht es zur Pressemitteilung....

 

 

 

 

 

Lange Nacht der Schuldnerberatung 2005

Die diesjährige Aktionswoche der Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung der Verbände steht unter dem Motto "Der Mensch hinter den Schulden". Aus diesem Anlass veranstaltet die Landesarbeitsgemeinschaft am 16.06.2005 ab 18.00 Uhr eine "Lange Nacht der Schuldnerberatung", die auf die Situation der von Überschuldung Betroffenen aufmerksam machen soll.